Königstiger im SMM Full-Reuenthal

 

 

Arbeiten am Turm und an der Wanne

 

Die Arbeiten an der Wanne fanden in dieser Saison zumeist Aussen statt. Zahlreiche Befestigungen aussen an der Wanne wurden gängig gemacht bzw. erneuert. Speziell an der Hinterseite mussten die Aufhängungen und Verschlüsse der C-Haken und die Wagenheberablage umfangreich überarbeitet werden.

Ein weiterer Punkt war die Korrektur der Position der vorderen Kettenabdeckungen, die nicht mit den seitlichen Kettenschürzen fluchteten. Wir haben die Kettenabdeckungen von den Gelenken abgetrennt und einen mehrere cm breiten Metallstreifen zwischengeschweisst:  Passt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die eindrucksvollste und augenfälligste Arbeit war sicher die Demontage des Geschützrohres. Mit Hilfe eines beeindruckenden Hilfsrahmens konnte das grosse Überwurfstück, welches das vordere Rohrteil im Hinteren arretiert, gelöst werden. Leider ist es uns bislang noch nicht gelungen, die Rohrblende zu lösen. Zwar konnten wir zwei grosse Schrauben oben und unten entfernen, aber die Blende scheint auf einer grossen Länge festgerostet zu sein. Wir werden ihr mit hydraulischen Pressen zu Leibe rücken müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit einigen Jahren bereits haben wir ein Austauschvorderteil des Rohres im Museum, welches lange als Pflock zum Vertäuen von Booten an einem Fluss gebraucht wurde. Nur dem Zufall und einem scharfen Auge eines Kenners ist es zu verdanken, dass das Rohr von seinem traurigen Schicksal erlöst und seinem ursprünglichen Verwendungszweck zugeführt werden konnte. Mit der völlig neuen Mündungsbremse sieht es fantastisch aus und wir alle können kaum erwarten, wenn es wieder da steckt, wo es hingehört.

Mit der Demontage des Rohres begannen nun auch offiziell die Arbeiten am Turm. Alle Stehbleche rund um den Turmkranz, die Nahverteidigungswaffe und die rechte Einstiegsluke samt Dämpfer wurden entfernt. Eine ebenso wichtige, aber weniger auffällige Arbeit war das Entfernen von abgerissenen Schrauben. Hier hat sich Willi zu einem wahren Meister seines Fachs entwickelt, der auch den kürzesten Schraubenstummel letztlich in die Knie gezwungen hat und letztlich alle Gewinde retten konnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie bereits angedeutet, sollte die Turmtraverse mit den beiden Getrieben ein Schwerpunkt dieser Winterarbeit werden.

Die Turmtraverse ist ein fast rechtwinkliges Stahlgerüst, welches hinten mit einem Stahlblech versehen ist, welches dem Ganzen ein U-förmiges Ausssehen gibt und über die Oberkanten der beiden U-Schenkel am Turm angeschraubt ist. An der Unterkante befinden sich zwei halbkreis-förmige Rahmen mit Blechen, welche die Arbeitsplattform für Richt- und Ladeschützen darstellen. Diese war bei uns aber schon weitgehend zerfallen.

Mittig unten auf der Traverse befindet sich das hydraulische Turmdrehgetriebe, das über einen längsverzahnten Stift vom Turmantrieb darunter angetrieben wird. Der Turmantrieb wird direkt durch die Kardanwellen angetrieben. Über ein Getriebe mit drei Zahnrädern verbunden mit dem hydraulischen Turmdrehgetriebe ist das Turmschwenkwerk, welches ein Zahnrad- und Schneckengetriebe ist und direkt in den Zahnkranz des Turmes eingreift.

Weiterhin befinden sich an bzw. auf der Traverse ein zylindrisches Reservoir für die Druckluft zum Ausblasen des Rohres nach einem Schuss, das Betätigungsgestänge für das Koax-MG und die Verteilerdose für die Turmelektrik.

Das hydraulische Turmdrehgetriebe besteht im Wesentlichen aus zwei Öldruck-Flügelpumpen, von denen eine als Ölpumpe wirkt und die andere als Ölmotor. Beide sitzen auf einem zentralen, längs des Getriebegehäuses verlaufenden und fest installierten Leitungsrohr.

Die Ölpumpe wird bei laufendem Motor und Kraftschluss durch den Turmantrieb angetrieben und saugt Öl an. Dieses Öl wird durch das Hohlrohr in den Ölmotor gedrückt, der dadurch angetrieben wird und sein Moment an das Turmschwenkwerk weitergibt.

Ölpumpe und –motor sind über die Mittellage hinaus exzentrisch nach links und rechts verschiebbar, wobei die Turmdrehrichtung bestimmt wird über die Auslenkung der Pumpe nach einer Seite und die Turmdrehgeschwindigkeit über das Ausmass der Auslenkung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Demontage der Komponenten von der Traverse, die speziell im hinteren Bereich stark korrodiert war, ging relativ leicht.

Die Demontage der Hydraulikeinheit erfolgte mit seeehr vielen Fotos. Erst nach Demontage haben wir herausgefunden, dass es sich bei dem Getriebeprinzip um ein sog. Boehringer-Sturmgetriebe handelt.

Die Innereien waren zumeist noch in einem sehr guten Zustand. Einige Kugellager müssen ersetzt werden, ebenso Wellendichtringe der Anbaukomponenten. Das zentrale Hohlrohr hat schon vor der Demontage einen Riss gehabt, der sich zuletzt zu einem kapitalen Bruch ausgewachsen hat, sodass die Welle geschweisst werden musste.

Das Gehäuse war innen mit einem gelben Überzug versehen, der eher einer Emailleschicht ähnelte als Farbe. Farbe wäre über die Jahrzehnte sicher von dem Öl angegriffen worden. Da sich am Boden des Gehäuses durch Korrosion bereits mineralische Bröckchen gelöst haben und das Getriebe keinen Ölfilter hat, haben wir uns entschlossen, es sandzustrahlen und nur mit Korrosionsschutzöl zu behandeln. Kein Farblieferant wollte uns eine langjährige Garantie geben, dass auch die beste Epoxidfarbe nicht mit der Zeit vom Öl angegriffen würde.

Der Antrieb durch den Turmantrieb erfolgt über eine Lamellenkupplung, die sich im hinteren Anbauteil des Hydraulikgetriebes befindet. De Kraftschluss kann für Landfahrten über den Hebel aussen unterbrochen werden, wobei die Normalstellung (Hebel unten) der Freilauf ist und der Kraftschluss zur Turmdrehung durch Ziehen des Hebels hergestellt wird. Es stellte sich heraus, dass sich die gleichen Reibbeläge in alten DKW-Motorrädern befanden, sodass Ersatz für unsere Lamellen über den Motorradoldtimerfachhandel bezogen werden konnte.

 

Der Zusammenbau des Getriebes wird in der nächsten Saison erfolgen.

 

Zuletzt wurde der Tiger von aussen in beiger Tarngrundfarbe gespritzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2016 / 2017 Wintersaison