«Königstiger» im Schweizerischen Militärmuseum Full
Am 14. September 2006 hat das Schweizerische Militärmuseum Full von der Schweizer Armee als Dauerleihgabe den legendären deutschen Kampfpanzer Tiger II «Königstiger» erhalten. Der Panzer wird in den nächsten Jahren im Museum von Grund auf restauriert.
In den Jahren nach Kriegsende überliess die französische Armee der Schweiz eine grössere Zahl verschiedener insbesondere deutscher Panzer. Ein Teil dieser Fahrzeuge wurde in der Folge für Versuche oder auf Schiessplätzen als Hartziele verwendet. Einige dieser Panzer haben bis heute im Freilichtmuseum auf dem Waffenplatz Thun überlebt. Da sie allerdings seit etwa 60 Jahren der Witterung ausgesetzt sind, ist diese Zeit trotz mehrmaliger Erneuerung der Aussenanstriche nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen. Geheimnisumwittert ist die Geschichte des aus Frankreich in die Schweiz gelangten Königstigers. Heute sind in der Schweiz keine Unterlagen mehr darüber aufzufinden, wann und auf welchem Weg das Fahrzeug nach Thun gelangt ist.
Unbekannt ist bis heute auch, wo sich der Königstiger bei Kriegsende befunden hat. Das Schweizerische Militärmuseum Full versucht nun, diese Fragen zu klären. Aufgrund der Fahrgestellnummer 280215 des Königstigers steht immerhin fest, dass er im September 1944 fertig gestellt und ausgeliefert worden ist. Reste am Panzer zeigen, dass er ursprünglich mit einem heute am Fahrzeug praktisch nicht mehr vorhandenen Zimmerit-Schutzbelag gegen Magnetladungen versehen war. Ein eindeutiges Identifizierungsmerkmal stellt das im vorderen Teil abgesprengte Rohr dar. Sollte ein Foto eines Königstigers aus der Zeit des Kriegsendes mit identischem Bild der Sprengwirkung am Rohr auftauchen, so könnte dies die Frage nach der Herkunft und allenfalls auch nach der vorherigen Verwendung des Panzers beantworten. Ein in neuerer Zeit entdecktes Foto zeigt den Königstiger nach dem Krieg irgendwo in Frankreich auf einem Lagerplatz. Auch wenn das Fahrzeug mit der schmalen Verladekette versehen ist, belegen doch die Art der Rohrsprengung und verschiedene individuelle Details mit Sicherheit, dass es sich um unseren Königstiger handelt. Aufgrund der Fahrgestellnummer 280215 des Königstigers und des damit feststellbaren Auslieferungszeitpunktes im September 1944 sowie der Herkunft Frankreich könnte der Panzer in der Schweren Panzerabteilung 506 eingesetzt worden sein. Dafür fehlt aber eine Bestätigung.
Bei Beginn der Restaurierungsarbeiten zeigte sich ein mässig erfreulicher Befund. Positiv war zwar, dass Motor, Getriebe und Lenkung noch ziemlich vollständig vorhanden waren, wenn auch einzelne Teile wie Luftfilter und Vergaser fehlten oder andere wie Lichtmaschine und Lüfter unter dem Rost stark gelitten hatten. Unrettbar verloren waren demgegenüber alle Teile aus Blech wie Benzintanks, Lüfterräder, Abdeck- und Bodenbleche, die weitgehend durch- oder sogar weggerostet waren. Im November 2007 haben die umfassenden Restaurierungsarbeiten begonnen. Zuerst galt es, den Panzer in seine Einzelteile zu zerlegen. Die Entfernung jeder Schraube und Mutter war Schwerstarbeit, hatte doch der Rost auch hier ganze Arbeit geleistet. Gearbeitet wird in der Haupthalle des Museums, wo die Museumsbesucher die Arbeiten und deren Fortgang mitverfolgen können.
